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Recruiting und Fluktuation. Geld ausgeben und Geld einsparen liegt dicht beieinander.

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Recruiting kostet Geld

Kostenfrei geht es einfach nicht. Egal welche Methode der Personalbeschaffung ein Unternehmen wählt.  Der Anspruch an Recruiting sollte aber auch die Leistungsfähigkeit des Ergebnisses sein und nicht, ob es günstig ist.

Die Recruitingkosten sind hoch. Schaltet man als Unternehmen eine Online-Stellenanzeige um das Recruiting voran zu bringen, zahlt man zwischen 700-1.300 € für 30 Tage. Engagiert man einen Headhunter für den Recruiting-Prozess, kostet es ein Unternehmen 23-35% des Bruttojahresgehalts des neuen Mitarbeiters.

Eine ausgezeichnete Personalbeschaffung führt zu einem ausgezeichneten Umsatzwachstum

Zudem hat sich der Markt in den letzten zehn Jahren um 180 Grad gedreht. Damals konnte ein Unternehmen eine Stellenanzeige schalten und es kamen immer ausreichend Bewerbungen, um sich dann einen Kandidaten aussuchen zu können.

Heute sieht das anders aus. Die Bewerberzahlen sind knapp und die Kandidaten wesentlich anspruchsvoller als noch von einem Jahrzehnt. Zudem zeigt eine Studie, die die Boston Consulting Group schon im Jahr 2012 veröffentlicht hat, dass eine Investition in die Mitarbeiter sich auszeichnet. Das Umsatzwachstum bei Unternehmen, die bei der Personalbeschaffung exzellent arbeiten ist 3,5 mal höher als bei vergleichbaren Unternehmen, die nicht in Recruiting und Personalbindung investieren.

Investition ins Recruiting zahlt sich bei Fluktuationskosten aus

Der Trend im Recruiting geht dahin, dass die Position der Personalbeschaffung immer öfter von Berufsanfängern besetzt wird. Die Tätigkeit des Recruitings verlangt aber eine gewisse Erfahrung. Zudem fehlt es dann häufig am Verständnis für die Bewerber. Und die richtigen Leute einzustellen ist Gold wert. Denn so kann die Mitarbeiterfluktuation klein gehalten werden.

Denn die Kosten, die Fluktuation verursacht, werden häufig unterschätzt. Zwar ist Recruiting auch, wie oben schon erwähnt, kein kostenloses Unterfangen, aber wenn man dabei als Unternehmen richtig investiert, kann man sich sehr hohe Fluktuationskosten sparen. Durchschnittlich kann ein Unternehmen mit ca. 15.000 € Fluktuationskosten rechnen. Für einen Mitarbeiter aus dem mittleren Management, zahlt ein Unternehmen jedoch Fluktuationskosten in Höhe von 150% des Jahresgehalts. Je höher die Position ist, die nachbesetzt werden muss, desto höher sind auch die Kosten, die damit einher kommen.

Der Wissensverlust durch Fluktuation ist enorm.

Mal von den enormen Kosten abgesehen, gehen zusätzlich immer Wissen und Fähigkeiten verloren, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Ist dann kein gut integriertes und funktionierendes Wissensmanagement vorhanden, verlassen die Informationen, die ein Mitarbeiter möglicherweise über viele Jahre angesammelt hat, zusammen mit ihm das Unternehmen.

Die Ausgaben bei einem Mitarbeiterwechsel setzen sich aus verschiedensten Positionen zusammen. Vor allem die Gespräche, die für eine Neubesetzung geführt werden und die Phase des Onboardings, werden häufig unterschätzt. Gerade beim Onboarding sind oft viele andere Mitarbeiter integriert, die dann nicht ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen, sondern ihre Arbeitszeit mit dem neuen Kollegen und der Einarbeitung verbringen.

Veränderungsbereiter sind natürlich die Beschäftigten, die rar und gesucht sind. Denn sie haben dadurch immer die Chance auf mehr Gehalt. Gerade Vertriebsmitarbeiter und Fachkräfte aus Technik, Logistik und IT profitieren stark. Die Fluktuationsquote hat sich von 2016 bis 2018 von 7,3% auf 15,7% erhöht.

Warum wechseln Mitarbeiter ihren Job?

Nicht jedes Unternehmen hat Probleme mit Fluktuation. Gerade die Großen, wie Google und Apple, hätten gerne etwas mehr davon. Hier ist die Personalfluktuation so gering, dass fast ein Stillstand in der Kreativität, dem Wissen und den Fähigkeiten herrscht. Die meistgenannten Gründe für den Wechsel ist schlechte Führung, zu wenig Gehalt und zu geringe Aufstiegschancen. Laut einer Umfrage von Deloitte, sind vor allem Schlüsselpositionen von der Fluktuation betroffen.  

„Time-to-hire“ – ein überaus teurer Zeitraum

Und dann kommt das Recruiting wieder ins Spiel. Denn gerade diese strategisch relevanten Arbeitsplätze, die einen überproportionalen Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben, müssen schnellstmöglich nachbesetzt werden. Deshalb noch ein Wort zur „Time-to-hire“ – eine Kennzahl die sich wesentlich auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Der Zeitraum, der hier definiert ist, beginnt mit dem Tag, wenn das Ausscheidens eines Mitarbeiters feststeht und hält so lange an, bis der neue Mitarbeiter an seinem Schreibtisch Platz genommen hat.

In diesem Zeitraum entstehen zwei sehr große Kostenblöcke. Zum einen die Kosten, die für die Suche des neuen Mitarbeiters aufgebracht werden müssen, zum anderen aber auch die, die anfallen, weil die Stelle unbesetzt ist. Hierzu zählen beispielsweise Produktivitätsausfall und folglich Umsatzeinbußen, wenn ein Vertriebsmitarbeiter für eine bestimmte Zeit wegfällt.

Es bestätigt sich somit – „Time is money!“. Nur leider ist es nicht ganz so einfach. Wird, wie es die „Time-to-hire“ verlangt, auf Schnelligkeit den größten Wert gelegt, passiert es, dass die Qualität bei der Mitarbeiterauswahl leidet. Es spielt also auch noch der qualitative und langfristige Gedanke mit ein, wenn es um die Auswahl der richtigen Mitarbeiter geht. Denn nur diese bleiben dem Unternehmen erstmal treu und sind produktiv.

Gutes Recruiting zahlt sich aus

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fluktuationsquote im Idealfall möglichst gering sein sollte – jedoch nicht zu gering. Und dass ein Unternehmen sich gut überlegen muss, wieviel es ins Recruiting investiert. Denn das wird am Ende der ausschlaggebende Punkt sein, ob der richtige Mitarbeiter am richtigen Schreibtisch platznimmt und sich positiv auf die Wertschöpfung des Unternehmens auswirkt.

Kathrin Hacker

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In der ersten Folge der neuen Staffel befassen wir uns mit jemandem, den wir alle kennen und haben: der innere Richter. Was macht er mit uns im Arbeits- und Privatleben? Ist er unser Freund oder eher Feind? Unbedingt reinhören, am besten in unserem YouTube Kanal oder überall wo es Podcasts gibt! Stay tuned!